Blasenschwäche in den Wechseljahren: Woher die Beschwerden kommen und was Du dagegen tun kannst

Blasenschwäche ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Du kennst solche Beschwerden? Die Befürchtung, dass die Menschen in deiner Umgebung etwas davon mitbekommen? Vielen Frauen in der Menopause geht es so wie Dir. Und viele nehmen diese gesundheitlichen Probleme einfach hin und konsultieren keinen Arzt, weil sie das Thema als unangenehm empfinden oder weil sie glauben, Blasenschwäche gehöre zum Älterwerden dazu. Doch das muss nicht sein. Darüber sprechen und sich aufklären zu lassen ist wichtig, denn keine Frau sollte Harninkontinenz einfach als gegeben hinnehmen.

Wie kommt es zur Blasenschwäche in den Wechseljahren?

Die Probleme mit der Blase haben in diesem Lebensabschnitt unter anderem mit der Estrogenproduktion zu tun. Diese nimmt in der Menopause ab und kommt in der Postmenopause dann ganz zum Erliegen. Man weiß heute, dass der Estrogenmangel sich auf die Elastizität des Bindegewebes, sowie die Durchblutung und die Sensitivität der Muskulatur im Bereich der Blase auswirkt. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Estrogenmangel in der Postmenopause und der Inkontinenz bei Frauen dieser Altersgruppe wurde allerdings nicht nachgewiesen (1).

Formen der Blasenschwäche: Dranginkontinenz und Stress – oder Belastungsinkontinenz

In erster Linie wird in der Medizin zwischen zwei Formen der Blasenschwäche unterschieden:

Dranginkontinenz
Stress- oder Belastungsinkontinenz (2).

Was versteht man unter der Dranginkontinenz? Sie beschreibt einen plötzlich auftretenden starken Harndrang, der mit Urinverlust einhergeht. Wenn Du unter solchen Beschwerden leidest, solltest Du unbedingt einen Arzt aufsuchen und die Gründe dafür abklären lassen (3).

Die Stress- oder Belastungsinkontinenz dagegen beruht auf einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Sie erschlafft mit zunehmendem Alter und auch dann, wenn eine Frau mehrere Kinder auf natürlichem Weg geboren hat. Diese Schwäche führt dazu, dass es in unterschiedlichen Situationen, zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Treppensteigen zu ungewolltem Harnabgang kommt. Außerdem stellen auch Übergewicht und familiäre Vorbelastung ein Risiko für diese Form der Inkontinenz dar (2).

Was du gegen Blasenschwäche in den Wechseljahren tun kannst

Die gute Nachricht! Du kannst aktiv etwas gegen einen schwachen Beckenboden tun. Vor allem ein gezieltes Training hilft Dir, die Muskulatur in diesem Bereich zur stärken. Je stärker Dein Beckenboden wird, umso mehr unterstützt er Deine Blase und das wirkt unkontrolliertem Harnabgang entgegen. In den Leitlinien zur Belastungsinkontinenz bei Frauen sind neben dem Beckenbodentraining auch noch weitere Therapieformen beschrieben, unter denen Dein Arzt die richtige Behandlungsmethode für Dich auswählen kann.

Hier wird postmenopausalen Frauen auch eine lokale Estrogentherapie empfohlen. Frauen, die an Übergewicht leiden, sollten mehr als 5 % des Körpergewichts abnehmen, um die Beschwerden zu lindern. Es gibt auch Medikamente, die helfen können und sogar die Möglichkeit zu einer Operation (4). Lass Dich von deinem Arzt beraten, sodass ihr gemeinsam die für Dich persönlich geeignete Behandlungsform findet.

Quellen

  1. Apperger C. Wechseljahre. Stuttgart: Deutscher-Apotheker-Verlag. 2017; 33
  2. Apperger C. Wechseljahre. Stuttgart: Deutscher-Apotheker-Verlag. 2017; 34
  3. https://www.urology-guide.com/erkrankungen/blasenentleerungsstoerungen/dranginkontinenz/
  4. Interdisziplinäre S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Belastungsinkontinenz der Frau Kurzfassung–AWMF-Register-Nummer: 015–005, Juli 2013 (zur Zeit in Überarbeitung)