Symptome und Ursachen

Etwa 75% der Frauen leiden vor allem in der Perimenopause und – häufig mit abnehmender Tendenz – in der Postmenopause unter Hitzewallungen und Nachtschweiß. Dabei scheinen Frauen aus westlichen Ländern häufiger mit dieser vasomotorischen Störung zu kämpfen, als Frauen aus fernöstlichen Ländern (1). Stark betroffen sind Patientinnen, die vor dem natürlichen Eintritt der Menopause ihre Ovarialfunktion verlieren, zum Beispiel durch antiöstrogen wirkende Medikamente oder durch einen chirurgischen Eingriff (2). Aber auch Raucherinnen und übergewichtige Frauen leiden vermehrt unter Hitzewallungen (3).

Hitzewallungen dauern gewöhnlich etwa 30 Sekunden – 3 Minuten, in Ausnahmefällen auch länger. Sie können entweder nur als vorübergehendes Wärmegefühl an Hals, Nacken, Brust, Rücken und Oberarmen wahrgenommen werden, aber auch mit Rötung der Haut und starkem Schwitzen einhergehen (2). Sie sind häufig mit anderen unspezifischen vegetativen Symptomen wie Druckgefühl im Kopf oder Bauchraum, Unruhe oder Übelkeit verbunden. Es können Herzklopfen, Herzrasen sowie Schwindel hinzukommen (4). Kälteempfinden und Schüttelfrost können folgen. Viele Frauen empfinden Hitzewallungen als sehr belastend und die Lebensqualität herabsetzend.

Die Ursache von Hitzewallungen ist noch nicht ausreichend erforscht. Zugrunde liegt eine Störung der zentralen Thermoregulation im Hypothalamus, die durch den Östrogenentzug ausgelöst wird (1). Bei Abweichungen vom Sollwert der Körpertemperatur löst der Körper Mechanismen aus, die für eine schnelle Anpassung der Körpertemperatur sorgen. Wird der Sollwert zu hoch, wird die Temperatur durch vermehrtes Schwitzen wieder gesenkt. Die fallenden Östrogen-Spiegel wirken modulierend auf dieses „Kontrollzentrum“ ein, so dass es vermutlich über verschiedene Neurotransmitter zu einer Verengung der thermoneutralen Zone (in der der Körper keine Anpassungen, etwa durch Schwitzen vornimmt) kommt (5). Schon leichte Anhebungen der Körpertemperatur können daher Hitzewallungen auslösen.

Neben den veränderten Hormonspiegeln des menopausalen Übergangs beziehungsweise der frühen Postmenopause kann es auch andere Ursachen für Hitzewallungen geben, die ebenfalls in Betracht gezogen und abgeklärt werden sollten. Dazu gehören Schilddrüsenüberfunktion, aber auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Angststörungen und in sehr seltenen Fällen Karzinome (6). Hitzewallungen können auch im Zusammenhang mit der Therapie von Krebserkrankungen auftreten (2).

Therapien gegen Hitzewallungen

1. Menopausale Hormontherapie

Mit einer menopausalen Hormontherapie (auch Hormonersatztherapie genannt) können Wechseljahresbeschwerden, insbesondere Hitzewallungen und Schweißausbrüche effektiv behandelt werden (7). Sie gilt als die wirksamste Therapie bei mäßigen bis starken klimakterischen Beschwerden. Die Durchführung einer Hormontherapie kann sehr unterschiedlich gestaltet werden und muss in Gesprächen mit dem behandelnden Arzt ermittelt werden. Jede Frau sollte sich auch über die mit den Hormongaben gegebenenfalls verbundenen gesundheitliche Risiken aufklären lassen, die z.B. durch die im Jahr 2017 veröffentlichte Folgestudie zu den WHI-Studien aus den Jahren 2002/2004 erneut transparenter geworden sind.

2. Phytopharmaka

Viele Frauen bevorzugen pflanzliche Präparate als Alternative zur Hormontherapie. Es ist bis heute allerdings nicht abschließend geklärt, inwieweit die Phytopharmaka diese Erwartungen erfüllen können. Die pflanzlichen Arzneimittel weisen in der Regel eine Zeitverzögerung zwischen der ersten Einnahme und dem Wirkbeginn auf, je nach Produkt kann es sich um einige Wochen handeln. Dies ist zu berücksichtigen, wenn sich die Frau an die für sie wirksamen Phytopharmaka herantastet.

Bei Phytopharmaka sind einige Präparate als Arzneimittel zugelassen, andere verfügen lediglich über eine Registrierung als traditionelles Arzneimittel, was bedeutet, dass kein konkreter Wirkhinweis in Form einer klinischen Studie vorliegt. Daneben spielen Nahrungsergänzungsmittel, wie Vitamine und Mineralstoffe, eine große Rolle in diesem Bereich (8).

Hier einige Beispiele der Phytopharmaka, die gegen Hitzewallungen empfohlen werden:

  • Traubensilberkern
    Zeitraum zwischen Einnahmebeginn und Wirkeintritt etwa 2-4 Wochen, 8 Wochen bis sich die Wirkung vollständig entfaltet (9). Einige Studien haben die Verbesserung der Symptomatik durch Einnahme von Traubensilberkern Präparaten bestätigt (10). Allerdings wurde auch des Öfteren nur eine geringe Verbesserung gegenüber der Gabe von Placebos registriert (11).
  • Phytoöstrogene
  • Soja und Rotklee
    Sie sind besonders reich an Isoflavonen und entfalten estrogene Wirkung. Produkte auf Basis von Soja und Rotklee sind oftmals als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Zu diesen Produkten liegen entsprechend keine Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit vor (12).
  • Rhapontik-Rhabarber (Sibirischer Rhabarber)
    Die Silbenderivate aus dem Sibirischen Rhabarber haben östrogenartige Wirkung, die in kleineren klinischen Studien getestet wurde. Für bestimmte Rhabarberwurzelextrakte konnten mit Blick auf Anzahl und Intensität von Hitzewallungen eine gute Wirksamkeit beobachtet werden (13).
  • Granatapfel
    Die Kerne des Granatapfels enthalten Phytoöstrogene. Allerdings konnte in einer kleinen im Jahr 2012 durchgeführten Studie keine signifikante Besserung gegenüber Placebo bei der Einnahme von Granatapfelöl festgestellt werden (14). Es scheint besser bei Schlafstörungen zu helfen (14) und wird auch lokal bei vaginaler Athrophie empfohlen (15).
  • Salbei
    Salbei wird meist als Teeaufguss verwendet und kann dabei helfen, starkes Schwitzen zu lindern (16).

3. Sport und Bewegung

Regelmäßiger Sport und Bewegung können dazu beitragen, die Hitzewallungen zu reduzieren, Studien haben dies belegt. Außerdem gelingt es durch regelmäßige sportliche Aktivität Muskelmasse aufzubauen, wodurch sich der Kalorienbedarf erhöht und es so leichter wird, das Gewicht zu halten. Um langfristige Erfolge zu erzielen, sollte ein regelmäßiges Training mehrmals die Woche durchgeführt werden. Bewegung tut zudem der Seele gut und hilft dabei, Depressionen in dieser Lebensphase zu begegnen.

4. Akupunktur

Auch die Akupunktur ist eine Therapieform, deren Wirksamkeit gegen Hitzewallungen in Studien belegt werden konnte. Wird sie von einem qualifizierten TCM Therapeut durchgeführt, wird dieser zugleich auf energetische Dysbalancen achten und versuchen, diese auszugleichen.

Quellen

  1. Sturdee DW, et al. The menopausal hot flush: a review. Climacteric. 2017; 20(4),296-305.
  2. Rossmanith WG, et al. Neuroendokrinologie der Menopause: Wie entstehen Hitzewallungen? Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2009;3(3):29-38.
  3. Schiessl K. Perimenopausale Hitzewallungen. Gynäkologie. 2014;5:6-11.
  4. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 26.
  5. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 26,27.
  6. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 27.
  7. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 49.
  8. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 93.
  9. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 94.
  10. Schmidt M, et.al. Wirksamkeit und Sicherheit von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, Cimifemin) bei Menopausebeschwerden, Therapiebeobachtungen unter Praxisbedingungen. Journal für Menopause. 2005;12(1):27-32.
  11. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 95.
  12. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 96.
  13. Kaszkin-Bettag M, et al. Efficacy of the special extract ERr 731 from rhapontic rhubarb for menopausal complaints: a 6-month open observational study. Alternative Therapies In Health and Medicine. 2008 Nov-Dec;14(6):32-8.
  14. Auerbach L, et al. Pomegranate seed oil in women with menopausal symptoms: a prospective randomized, placebo-controlled, double-blinded trial. Menopause. 2012;19(4):426-32.
  15. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 98.
  16. Apperger C. Wechseljahre, Stuttgart: Deutscher Apotheker-Verlag; 2017: 100.