Symptome und Ursachen von Migräne

Frauen leiden etwa dreimal häufiger unter Migräne als Männer. Dabei unterscheidet sich die „weibliche“ Migräne von der „männlichen“ nicht nur in der Zahl der Betroffenen, sondern insbesondere in klinischen Aspekten, die in der Therapie beachtet werden müssen (1). So gibt es spezielle Behandlungssituationen wie menstruelle Migräne, Migräne in der Schwangerschaft und auch in den Wechseljahren (1).

Es gibt klare Hinweise darauf, dass die Migräne bei Frauen in vielen Fällen mit Hormonen zusammenhängt und sowohl die Häufigkeit als auch der Zeitpunkt der Attacken vom Hormonspiegel beeinflusst werden. Die vor mehr als 40 Jahren erstmals aufgestellte Hypothese, wonach ein Migräneanfall bei Frauen durch den plötzlichen Abfall von Östrogen vor der Menstruation und in dem Zeitraum vor und nach der letzten Menstruation (Perimenopause und frühe Postmenopause) ausgelöst werden kann, gilt nach wie vor (2). Der wechselnde Hormonspiegel, beginnend mit der Menarche, über die Menstruation, die Schwangerschaft, bis zur Menopause (Zeitpunkt der letzten Menstruation), aber auch hormonelle Verhütungsmittel und eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, scheinen das Auftreten zu beeinflussen (3).

Daneben werden weitere mögliche auslösende Faktoren genannt, wie die Ernährung (etwa lang gereifter Käse, salzige Nahrungsmittel, Alkohol, das Süßungsmittel „Aspartam“ und der Konservierungsstoff „Mononatriumglutamat“) sowie Stress, verändertes Schlafverhalten (zu wenig oder auch zu viel Schlaf), Wetterwechsel, intensive körperliche Anstrengung oder Medikamente. Die Studienergebnisse hierzu sind zumeist jedoch nicht eindeutig (4).

Bei den Migräneformen wird zwischen zwei maßgeblichen Typen differenziert, und zwar zwischen der Migräne ohne und mit Aura. Die Migräne ohne Aura ist ein einseitiger Kopfschmerz, der sich durch eine mittlere bis starke Schmerzintensität auszeichnet und einen pulsierenden, stechenden Charakter hat. Mindestens ein vegetatives Symptom kommt hinzu, wie etwa Übelkeit oder Erbrechen. Vorboten können Unruhe oder Stimmungsveränderungen sein. Bei der Migräne mit Aura kommen noch reversible neurologische Symptome hinzu, wie etwa Sehstörungen, Lichtblitze, Wahrnehmen von gezackten Linien oder Ähnliches. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Migräne ohne Aura stärker hormonell beeinflusst ist, als die Migräne mit Aura. Das gilt nicht nur für die Phase der Wechseljahre, sondern auch während der fruchtbaren Jahre und nach dem Ende der Wechseljahre (2). Leitlinien unterscheiden daher bei der Migräne ohne Aura teilweise zwischen der nicht-menstruellen, der mentruationsassoziierten und der rein menstruellen (5).

Die Frage, ob Symptome der Wechseljahre, wie etwa Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsprobleme und Migräneattacken in einer Verbindung stehen, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Die bisher hierzu gewonnenen Daten widersprechen sich teilweise. Während zum Beispiel in einer schwedischen Studie eine Verbindung verneint wurde (6), kam eine Studie in Taiwan zum gegenteiligen Ergebnis (7). Hier werden weitere Studien nötig sein.

Für viele Frauen kommt es nach der Menopause zu einer deutlichen Besserung der Migränesymptomatik. Die Phase der Perimenopause kann jedoch mit einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen gekennzeichnet sein. Dies ist wahrscheinlich auf den hormonellen Umstellungsprozess in dieser Zeit zurückzuführen (1) (8).

Therapieformen

Es wird zwischen der Therapie bei akuten Migräneattacken und der Therapie zur Vorbeugung von Migräne unterschieden. Zur Behandlung der akuten Migräne sind in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie verschiedene Medikamente aufgelistet, deren Wirksamkeit in klinischen Studien untersuchte wurde (9). Welches dieser Medikamente im Einzelfall angewendet werden soll, ist mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Als nicht medikamentöses Mittel zur Akuttherapie wird in den Leitlinien die traditionelle chinesische Akupunktur genannt (9).

Bei der Therapie zur Vorbeugung stehen neben bestimmten Medikamenten, die ebenfalls in den Leitlinien beschrieben werden (9), verschiedene Arten der nicht medikamentösen Therapie zur Verfügung. Die Behandlungsformen sind auch kombinierbar. Bei den nicht medikamentösen Behandlungen sind vor allem effektiv: Entspannungsverfahren (insbesondere die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson), Ausdauersport, verschiedenen Arten des Biofeedbacks und die kognitive Verhaltenstherapie (10).

Die Hormonersatztherapie wird in den Leitlinien nicht als Therapieform bei Migräne in den Wechseljahren genannt. Vielmehr wird unter Hinweis auf mögliche, mit der Hormonersatztherapie einhergehende Risiken und einem nicht nachgewiesenen Therapieerfolg, davon abgeraten, Hormone zur Behandlung von Migräne in den Wechseljahren einzusetzen (1).

Quellen

  1. Holle D, et al. Frauen und Migräne. Aktuelle Neurologie. 2015;42(06):344-350.
  2. Ripa P, et al. Migraine in menopausal women: a systematic review. International Journal of Women’s Health. 2015;7:773-782.
  3. Sacco S, et al. Migraine in women: the role of hormones and their impact on vascular diseases. Journal of Headache Pain. 2012;13(3):177-189.
  4. Wöber C, et al. Triggers of migraine and tension-type headache. Handbook of Clinical Neurology. 2010;97:161-172.
  5. Olesen J, et al. The international classification of headache disorders. Cephalalgia.
  6. Mattsson P. Hormonal factors in migraine: a population-based study of women aged 40 to 74 years. Headache. 2003;43:27–35.
  7. Wang SJ, et al. Migraine prevalence during menopausal transition. Headache. 2003May;43(5):470–478.
  8. Martin VT, et al. Perimenopause and menopause are associated with high frequency headache in women with migraine: results of the American migraine prevalence and prevention study. Headache. 2016 Feb;56(2):292-305.
  9. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, derzeit in Überarbeitung
  10. Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Intervention zur Behandlung der Migräne, Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft