Östrogene: Was die Hormone in Deinem Körper bewirken

Hormone haben einen sehr großen Einfluss auf unseren Körper und unser Wohlbefinden. In den Wechseljahren verändert sich viel in Deinem Hormonhaushalt. Um Wechseljahresbeschwerden zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie die einzelnen Hormone, zum Beispiel die Östrogene, wirken.

Östradiol, Östron und Östriol

Östrogene sind die weiblichen Hormone überhaupt. Zu den wichtigsten natürlichen Östrogenen der Frau gehören:

  • Östradiol
  • Östron und
  • Östriol.

Das mit Abstand am stärksten wirksame natürliche Östrogen ist hierbei das Östradiol.

Östradiol, auch häufig mit E abgekürzt, wird zum allergrößten Teil in den reifen Eibläschen im Eierstock gebildet. Außerhalb des Eierstocks produziert es in geringem Maße auch das Fettgewebe.

Die Produktion der Östrogene in den Eierstöcken wird durch das Hormon FSH, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird, stimuliert. Zu Beginn des Zyklus ist der Östradiolwert niedrig und steigt während der ersten Hälfte des Zyklus (Follikelphase) kontinuierlich an. Östradiol wir im heranreifenden Follikel produziert. Es erreicht zur Zyklusmitte, kurz vor dem Eisprung, seinen maximalen Wert. Diese maximale Östradiolkonzentration löst den sogenannten LH-Anstieg und den darauf folgenden Eisprung aus. Danach fällt der Östradiolwert wieder ab.

Das zweite Östrogen, Östriol, spielt hauptsächlich in der Schwangerschaft eine größere Rolle und wird in der Plazenta produziert.

Östron wird ähnlich wie das Östradiol vor der Menopause zu etwa 70 – bis 80 Prozent in den Eierstöcken gebildet. Die übrigen 20 – 30 Prozent bildet das Fettgewebe.

Die Östronwerte fallen in der Postmenopause jedoch nicht so stark ab wie die Östradiolwerte. Östron kann außerdem in Östradiol umgewandelt werden und stellt so quasi eine Reservefunktion dar.

Was bewirkt Östrogen in Deinem Körper?

Östrogene haben eine Vielfalt unterschiedlicher Wirkungen in unserem Körper. So sind sie zum einen für die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie der Brust, den weiblichen Körperproportionen, dem Fettverteilungsmuster und dem Ausmaß der Fettablagerung zuständig. Zum anderen wirken die Östrogene auf die Gebärmutter, die Eileiter, den Gebärmutterhals und die Scheidenschleimhaut. Aber auch Haut und Haare, Knochen und Harnwege werden von den Östrogenen beeinflusst. Weitere Östrogenwirkungen finden sich im Herz-Kreislauf-System, in verschiedenen Gehirnregionen, am Nervensystem, im Magen-Darm-Bereich, im Immunsystem und in der Leber. So lassen sich die vielfältigen Symptome erklären, die Frauen in der Phase von Hormonveränderungen, wie in der Pubertät, während des Zyklus, in der Schwangerschaft und in der Menopause erleben.

In der Gebärmutter fördern die Östrogene das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und am Gebärmutterhals die Sekretion eines dünnflüssigen wässrigen Schleims, den Frauen während des Zyklus beobachten. In der Scheide unterstützen sie die Zellerneuerung, die Durchblutung und die Feuchtigkeitssekretion.

Im zentralen Nervensystem beeinflussen die Östrogene auch die Bildung von Endorphinen und Adrenalin und auch die Temperatur und den Blutdruck. Das bemerken Frauen in den Wechseljahren anhand der „Hitzewallungen“ und Schweißausbrüche. Des Weiteren sind auch unsere Stimmung und unser Allgemeinzustand von den Östrogenen beeinflusst.

Eine sehr wichtige Funktion haben die Östrogene zudem beim Knochenaufbau und -erhalt. Östrogene sind außerdem zu einem gewissen Maß für Wassereinlagerungen im Unterhautbindegewebe verantwortlich und beeinflussen so die Hautspannung. In der Schwangerschaft führt dies zu einer meist schönen „prallen“ Haut. Eine Folge von zu vielen Östrogenen können jedoch Ödeme und Wassereinlagerungen sein.

Zudem beeinflussen Östrogene das Gerinnungssystem in der Leber. Sie fördern die Gerinnung und das Thromboserisiko steigt. Synthetische Östrogene beeinflussen dieses Phänomen noch um ein Vielfaches.

Östrogene führen außerdem zu einer Gefäßerweiterung der Arterien, während das Progesteron die Arterien verengt.

Auch in den Fettstoffwechsel greifen die Östrogene ein. Sie erhöhen die Triglyceride im Blut und senken den Cholesterinspiegel. Während einer Östrogenbehandlung kann es daher durch die vermehrte Cholesterinausscheidung bei Frauen zu einer häufigeren Gallensteinbildung kommen.

Östrogene: Wie verändern sich die Hormone in den Wechseljahren?

In den Wechseljahren kommt es zunächst häufig zu einer Vielzahl von Zyklusstörungen: zu kurze, zu lange Zyklen, sowie Zwischenblutungen. Während dieser Zyklen kommt es jedoch oft nicht zum Eisprung, sondern zu einer Follikelpersistenz. Das heißt, die gereifte Eizelle mit dem umgebenden Follikel bleibt zunächst im Eierstock. Außerdem kann es auch zu einer Gelbkörper Insuffizienz kommen.

In dieser Phase ist die Östradiolbildung häufig sehr variabel und schwankt von sehr niedrigen bis zu höheren Konzentrationen. Und das viel stärker als dies bei regelmäßigen Zyklen mit Eisprung der Fall ist. Diese relative Östrogendominanz und die dazukommenden Schwankungen verursachen die bekannten Wechseljahresbeschwerden.

Wenn in einer späteren Phase der Wechseljahre die heranreifenden Follikel weniger und die Zyklen immer länger werden, nimmt die Östrogenproduktion weiter ab. Dieser Prozess dauert an, bis sie in den Eierstöcken irgendwann komplett erlischt.

In den ersten 12 Monaten nach der Menopause nimmt die Östradiolkonzentration drastisch ab. So beträgt sie weniger als drei Monate nach der Menopause durchschnittlich 108 pg/ml, nach drei bis neun Monaten durchschnittlich 32 pg/ml und nach zwölf Monaten durchschnittlich 19 pg/ml1. Danach sinken die Östradiolwerte langsam weiter ab. Teilweise gibt es zwischendurch aber auch noch Phasen mit erneuter gesteigerter, aber kürzerer Östradiolproduktion.

Östrogenserumkonzentration und vasomotorische Störungen

Bildquelle: Arch Woman Ment Health 2007; 10: 247-57, ©2007, mit Erlaubnis von Springer

In der Postmenopause wird der überwiegende Teil der Östrogene aus den Androgenen (den männlichen Hormonen) der Nebennierenrinde, teilweise auch aus dem Eierstock, im Fettgewebe, in der Muskulatur und Leber gebildet. Den größten Anteil an den Östrogenen bildet daher das Östron. Auch das Östron nimmt nach der Menopause ab, ist jedoch immer auf einem höheren Niveau als das Östradiol. So verschiebt sich das Östron-Östradiol Verhältnis also zu Gunsten des Östrons.

Wechseljahre: Welche Beschwerden verursacht ein veränderten Östrogenspiegel

Zu Beginn der Wechseljahre schwanken die Östrogenspiegel stark. Teilweise kommt es zu erheblich höheren Östrogenkonzentrationen als während eines normalen, regelmäßigen Zyklus. Daraus resultiert ein relativer Progesteronmangel. Diese schwankende und später niedrigere Östrogenkonzentration kann zu Hitzewallungen und Schweißausbrüchen führen.

Es gibt unterschiedliche Theorien, wie dieser Mechanismus genau funktioniert. Eine besagt zum Beispiel, dass durch die erniedrigte Östrogenkonzentration die Feinsteuerung des Temperaturzentrums im Gehirn durcheinander gebracht wird. Die sogenannte „thermoneutrale Zone“ von normalerweise 0,4 Grad, in der wir weder frieren noch schwitzen, wird deutlich schmaler und empfindlicher, sodass bereits geringste äußere Temperaturschwankungen zu plötzlichen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen führen2. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der Höhe der Östrogenkonzentration und der Stärke und Frequenz von Hitzewallungen gibt, ist umstritten34. Nach einiger Zeit passt sich der Körper an die niedrigen Östrogenspiegel an, das Gehirn führt quasi ein „Reset“ durch und es stellt sich wieder eine thermoregulatorische Balance bei. Bei jeder Frau kann dies in der Postmenopause unterschiedlich lange dauern, bei manchen wenige Monate, bei anderen viele Jahre.

Die relative Östrogendominanz am Anfang der Wechseljahre kann zu Blutungsstörungen, zu starken Blutungen, zu langen Blutungen sowie zu Schmier- und Zwischenblutungen führen. In dieser Phase kann es auch zu Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut kommen.

Da Östrogene eine komplexe Wirkung auf viele weitere Organsysteme im Körper haben, führen die schwankenden und anschließend niedrigen Hormon-Konzentrationen zu einer Vielzahl von weiteren Veränderungen.

Niedrige Östrogenkonzentrationen können den Serotoninspiegel verändern, der ein wichtiger Modulator des Befindens und der Stimmung ist. Eine Folge davon können dann depressive Verstimmungen sein. Auch Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwächen und eine verringerte Libido sind mögliche Folgen einer niedrigen Östrogenkonzentration.

Die abnehmende Östrogenkonzentration führt außerdem im Genitalbereich zu einer geringeren Durchblutung, die Haut wird dünner und trockener. Diese Veränderungen können zu vermehrten Scheideninfektionen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen.

Auch an der Blase machen sich die geringeren Östrogenkonzentrationen bemerkbar, Schmerzen beim Wasserlassen, ein vermehrter Harndrang und Blasenentzündungen sind mögliche Folgeerscheinungen.

Die niedrigeren Östrogenspiegel können auch eine Umverteilung des Fettgewebes von der Hüfte zur Taille zur Folge haben. Außerdem begünstigt ein Östrogenmangel auf lange Sicht die Entstehung einer Osteoporose.

Quellen

  1. Longcope C., Franz C, Morello C et al. Steroid and gonadotropin levels im women during the peri-menopausal years. Maturitas (1986) 8:189.
  2. Freedman RR, Krell W. Reduced ther- moregulatory null zone in postmenopausal women with hot flashes. Am J Obstet Gynecol 1999; 181: 66–70.
  3. Randolph JF Jr, Sowers M, Bondarenko I, Gold EB, Greendale GA, Bromberger JT, Brockwell SE, Matthews KA. The relation- ship of longitudinal change in reproductive hormones and vasomotor symptoms during the menopausal transition. J Clin Endocrinol Metab 2005; 90: 6106–12.
  4. Overlie I, Moen MH, Holte A, Finset A. Androgens and estrogens in relation to hot flushes during the menopausal transition. Maturitas 2002; 41: 69–77.

Autorin dieses Beitrags: Dr. Corinna Mann, Gynäkologin/Endokrinologin