Wie lange muss man überhaupt verhüten?

Es ist einer der Vorteile der Menopause, dass das Thema Verhütung irgendwann ad acta gelegt werden kann. Allerdings sollten sich Frauen sicher sein, dass sie nicht mehr schwanger werden können, bevor sie nicht mehr über Verhütung nachdenken.

Ganz grob gilt die Faustregel, dass auf Verhütung verzichtet werden kann, wenn eine Frau unter 50 Jahren zwei Jahre keine Regelblutung mehr hatte und eine Frau über 50 Jahren ein Jahr nicht mehr.1 Allerdings gilt diese Regel nicht mehr so pauschal, wenn Frauen Hormone einnehmen und beurteilt werden muss, ob diese oder ein spontaner Eisprung eine Blutung ausgelöst hat. Bei Frauen über 45 Jahren ist die Chance auf eine Schwangerschaft zwar sehr gering (kleiner 0,2%), aber dennoch vorhanden.2 In jedem Fall empfiehlt es sich, dass Frauen die Frage, ob sie noch verhüten müssen und wenn ja, mit welcher für sie geeigneten Methode, mit ihrem Arzt besprechen.

Beispiele für Verhütungsmethoden

Antibabypille:

Die Antibabypille ist grundsätzlich auch in der Perimenopause eines der möglichen Verhütungsmittel. Die Anwendung kann viele Vorteile mit sich bringen, wie etwa die sichere Verhütung und Blutungskontrolle. Auch beginnende Hitzewallungen werden meist günstig beeinflusst. Frauen mit Haarausfall und einer Neigung zu Akne können ebenso von der Antibabypille profitieren. Allerdings scheint besondere Vorsicht geboten, falls die Frau eine der folgenden Risikofaktoren erfüllt2:

  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Thrombosen oder Embolien in der Familie
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall unter 60 Jahren in der Familie
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Migräne (mit Aura)
  • Angina pectoris
  • Diabetes mellitus

Das zur Antibabypille gesagte gilt auch für den Vaginalring, der ähnlich wie die klassische Antibabypille funktioniert.2

Hormonhaltige Spiralen:

Viele Frauen über 40 fühlen sich bei dem Gedanken, die Antibabypille zu nehmen, nicht mehr wohl. Eine Alternative der sicheren Empfängnisverhütung sind Hormonspiralen, die u.U. auch noch zusätzliche Vorteile in dieser Lebensphase mit sich bringen. Sie können sich etwa positiv auswirken bei starken Regelblutungen1,2,3,4, Hitzewallungen und auch bei Migräne3. Sie verbleiben in der Regel (je nach Hormonspirale) 3-5 Jahre in der Gebärmutter.
Oft verwendet wird eine Hormonspirale, die permanent geringe Mengen des synthetischen Gestagens Levonorgestrel abgibt. Falls zusätzlich wegen der Wechseljahresbeschwerden ein Östrogen (als Pflaster, Gel, Creme oder Tablette) verordnet wird, muss im Zweifel kein zusätzliches Gestagen mehr verschrieben werden, da die Hormonspirale den Körper bereits hiermit versorgt und der Schutz der Gebärmutter damit gewährleistet ist.2

Die Gestagen-Spiralen können in den ersten Monaten Zwischenblutungen oder auch verlängerte Blutungen auslösen, allerdings wird die Regelblutung nach und nach deutlich schwächer und kommt dann meist zum völligen Erliegen3, was für viele unter heftigen Blutungen leidenden Frauen eine deutliche Erleichterung bedeutet. Allerdings wird auch teilweise von Nebenwirkungen wie etwa Haarausfall oder Akne berichtet.3

Implantate:

Sehr effiziente Verhütung können auch Implantate bewirken, bei denen ein kleines Hormonstäbchen unter die Haut gelegt wird, wo es drei Jahre verbleiben kann. Es setzt von dort aus Gelbkörperhormone frei. Besonders Frauen mit starken Blutungen in der beginnenden Menopause profitieren von dieser Verhütungsform.3

Gestagen-Pille:

Manche Frauen sollen möglichst keine Östrogene einnehmen und in den Fällen kann eine Gestagen-Pille eine von dem Arzt gewählte Alternative sein. Diese Pille ohne Östrogen bietet guten Empfängnisschutz. Sie wird ohne Unterbrechung täglich eingenommen und sorgt ähnlich wie die Hormonspiralen dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr so hoch aufbaut. Dies hat für Frauen mit starker Regelblutung wieder den positiven Effekt, dass diese schwächer wird oder ganz zum Erliegen kommt.

Auch hier können Haarausfall, unreine Haut und Zwischen- bzw. Schmierblutungen auftreten.

Sprich mit Deinem Arzt…

In jedem Fall solltest Du Dich detailliert von Deinem Arzt dazu beraten lassen, ob Du noch verhüten musst und welches die für Dich am besten geeignete Verhütungsmethode ist. Berichte bei dem Gespräch auch von Deinen Themen, wie etwa starke Regelblutungen, damit diese Beschwerden bei der Wahl des Verhütungsmittels mit einbezogen werden können. Und falls Du Dich für eine Hormonspirale entscheidest, gib Dir etwas Zeit, oft braucht es einige Monate, bis sich alles eingependelt hat und Du Dich mit ihr wohl fühlst.

Quellen

  1. Deborah Bateson et al. Perimenopausal contraception: A practise based approach. afp Menopause, Volume 46, No. 6, June 2017: 372-377
  2. Anneliese Schwenkhagen et al. Kompass Wechseljahre. Stuttgart: Trias Verlag, 2015: 143
  3. Long ME et al. Contraception and hormonal management in the perimenopause. Journal of Women’s Health. 2015 Jan; 24 (1): 3-10
  4. Baldwin MK et.al., Contraception during Menopause. Maturitas. 2013 Nov; 76 (3): 235-42